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Tagung Redenschreiben: Dramaturgie, Dramatik und Inhalte

Am 24. April 2018 findet die Tagung Redenschreiben statt. Eine Kernfrage der Tagung ist die Relevanz von Redenschreiben in einer mehr und mehr digitalisierten Kommunikation: Eine gute Rede bedarf einer perfekten Dramaturgie, eines roten Fadens, im schönsten Fall einer guten Pointe und das ist eine hohe Kunst, die nicht auf eine Social Media Zeichenbegrenzung eingedampft werden sollte. Oder doch? Vielleicht zeichnet genau das eine gute Rede aus, dass man sie anschließend in 280 Zeichen zusammengefasst teilen kann. 

Auf der Tagung wird diskutiert über Dramaturgie, Dramatik, Inhalte und das mit Experten aus der Kommunikation aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Kooperationspartner der Tagung ist der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Die Präsidentin des Verbandes, Jacqueline Schäfer, ist überzeugt davon, dass die Digitalisierung den Job zwar verändern wird, aber nicht überflüssig macht. 

Dr. Cornell Babendererde (Redenschreiberin in Politik, Wirtschaft & Wissenschaft) leitet einen der Workshops mit dem Fokusthema „Glaubwürdigkeit & Einflusssphäre“. Konkret heißt der Workshop von Dr. Babendererde „Worte als Heilmittel gegen Politikverdrossenheit“, ein hochspannendes Thema, vor allem in Zeiten, in denen die Glaubwürdigkeit der Medien ernsthaft in der Krise ist und diese Aufgabe differenzierter angegangen werden muss.  

Vorab haben wir Dr. Cornell Babendererde einige Fragen gestellt:

Liebe Frau Dr. Babendererde, welche Rede fällt Ihnen spontan ein, die ihrer Meinung nach rundum gelungen ist?

Spontan: Da führt in der Erinnerung kein Weg vorbei an der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zur 40. Gedenkveranstaltung des Endes des zweiten Weltkrieges in Europa am 8. Mai 1985. Haltung, Wortwahl, Botschaft: In seiner Rede hat von Weizsäcker vielen Deutschen einen Weg gezeigt, wie wir das Erbe unserer Geschichte tragen können.

Sie arbeiten als Redenschreiberin in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – welche Berufsgruppe ist ihrer Erfahrung nach am talentiertesten beim Redenhalten?

Naturgemäß sind eher Politikerinnen und Politiker die besseren Redner – was daran liegt, dass sie sich eine schlechte Rede von allen genannten Gruppen am wenigsten leisten können. Durch Reden überzeugen ist das ureigenste Handwerk des Politikers, um Mehrheiten zu gewinnen.

Und welches Publikum aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft lässt einen Redner am ehesten schmoren oder auflaufen?

Meiner Erfahrung nach das Publikum aus der Wissenschaft. Und zwar besonders dann, wenn ein Redner nicht die richtigen Vokabeln draufhat oder nicht über das aus Sicht der Wissenschaftsgemeinde relevante Fachwissen verfügt.

Haben Sie ein persönliches Aufwärm-Ritual vor einer wichtigen Rede?

Ja. Rechtzeitig da sein, die Atmosphäre wahrnehmen und sich schon im Vorfeld für seine Zuhörer in spe interessieren.
 

Dr. Thomas Rau (Dozent und Coach an der Akademie für Managementkommunikation & Redenschreiben, AMAKOR) leitet einen der Workshops. Sein Thema: „Mach‘ mir bitte eine Szene! – Dramatechnik für Redenschreiber“. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Praxis, die Teilnehmer entwickeln an einem konkreten Beispiel Text und szenische Ideen für einen Redeauftritt.  

Vorab hat uns Dr. Thomas Rau ein paar Fragen beantwortet:

Lieber Herr Rau, haben Sie ihr professionelles Talent für Drama auch schon einmal in einer privaten Situation genutzt?
Klar. Aber das muss natürlich privat bleiben.

Was halten Sie von den „Slam“-Formaten, wie beispielsweise Poetry- oder Science-Slams – kann man sich als Reden-Anfänger hier etwas abschauen? 
Auf jeden Fall. Unter den Slammern gibt es hinreißende Performer, von denen man viel lernen kann. Mein Tipp für Redner wie Redenschreiber lautet ohnehin: Immer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und schauen, wie’s andere machen.

„Wie finden Sie Pointen?“, heißt es in Ihrer Workshop-Beschreibung – Pointen sind ja die Königsdisziplin beim Redenhalten, oder? 
Eine Pointe ist ein geistreicher Schlusseffekt, eine witzige Zuspitzung. Oder aber – in der Dramaturgie einer Rede – eine überraschende Wendung. Beides gibt der Rede Würze.

Haben Sie bei einem Redner schon einmal komplett danebengelegen und wurden von dem drögen Äußeren eines Redners mit einer „dramatischen“ Reden umgehauen?
Zur Dramaturgie einer Rede gehört auch die Gestaltung der Figur / Rolle des Redners. Und es gibt tatsächlich Redner, die es in ihrer Inszenierung bewusst darauf anlegen, unterschätzt zu werden, um dann umso mehr beim Publikum zu punkten.
 

Moderiert wird die Tagung von Christian Arns, Dozent für Kommunikationsmanagement an der Quadriga Hochschule. Am Vorabend der Tagung (am 23. April) führt Dr. Andreas Pagiela (Comedyautor und Redenschreiber) auf einem 1,5-stündigen Stadtrundgang zu den (Rede-) Schauplätzen des politischen Berlins. 

Mehr Informationen zu der Tagung sind hier abgelegt.

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